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Und das erste Jahr haben wir gemeistert!

Wie schnell doch die Zeit vergeht, vor genau einem Jahr, am 29. Mai 2011 saßen wir bei unserer Kinderärztin weil unsere Tochter plötzlich stark abnahm, ständig durstig war, unkonzentriert und schwach. Sie fragte oft nach meiner Lesebrille, die auf dem Küchentisch herumlag – anfangs dachte ich, es sei eine modische neue Macke, die die Mädchen ja oft so haben. Aber mit 9 fand ich es schon ein wenig affig. Seit Dezember klagte sie häufiger über Muskelschmerzen in den Beinen, welche ich auf die viele Bewegung wie Rumtoben, Sport in Schule und Freizeit und oft auch auf das Wachstum schob.

Ein komisches Gefühl hatte ich schon die ganze Zeit im Bauch – wusste aber nicht was es war, bis wir mit der Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 noch am selben Abend im Clementine Kinderhospital landeten.

Die Welt brach über mir zusammen.
Als Erstes kam mir in den Sinn: „ Sei stark – für Dein Kind!“
Das zweite was ich dachte war, irrsinniger Weise: „Das ist nur vorübergehend – es geht wieder vorbei!“ – entgegen allem Wissen über Diabetes Typ 1 war das doch tatsächlich mein Gedanke.

Es begannen 14 Tage voller Lernprozesse, die doch meist schematisch von mir aufgenommen wurden. Es war wichtig alles Wissen über die Krankheit meiner Tochter in mir aufzusaugen, alles zu lernen, damit wir alles richtig machen. Es waren die Schwestern des Clementine Kinderhospitals in Frankfurt und besonders unser Doc., Semik Khodaverdi, die uns – und im Besonderen unserer Tochter in dieser schweren Zeit geholfen haben damit zurechtzukommen.

Wie wichtig eine solche Betreuung ist und wie viel Halt sie gibt kann ich erst heute ermessen.

Der Tag, an dem wir entlassen werden sollten, rückte immer näher und ich sah dem Ganzen mit Entsetzen entgegen. Sicher hatten wir viel Wissen und auch Praxis angesammelt, die Angst aus dieser geborgenen sicheren Welt im „Clemi“ raus zu müssen, war schier unerträglich. Wie sollen wir, den doch ganz anderen Alltag meistern?

Was wird in der Schule – wir hatten zusätzlich noch den Wechsel auf eine weiterführende Schule vor uns. Wie klappt das mit den Lehrern, wie reagieren die Mitschüler, die ja alle neu waren. Und wie wird es bei Schwierigkeiten, wenn sie zu hoch oder zu niedrig ist, beim Sport und wie kann ich sie ohne Probleme alleine zu einer Freundin lassen oder gar auf einen Kindergeburtstag.

Uff…!

All das haben wir in diesem Jahr gemeistert – mehr oder weniger haben wir es fast alleine geschafft.

Mit viel Verständnis und Mitarbeit von Seiten der Schule, der Lehrer und der Mitschüler (es gibt mittlerweile 2 „Spritz-und messdienerinnen“ ;-)) in der Klasse), den Freunden und Freundinnen und deren Mütter und Väter, die bei den Kindergeburtstagen immer KEs mit gezählt und oft für uns eine Extrawurst gebraten haben. Und nicht zuletzt die Familie, für die es nicht wenige Zerreißproben gab und sicher auch immer wieder geben wird, in ständiger Angst, dass alles gut geht, dass vieles selbstverständlich und alltäglich wird und, dass unsere diabetische Tochter mit der gleichen Selbstverständlichkeit an ihr Leben herantreten kann, wie ein gesundes Kind.

Was viel wichtiger, als all das Wissen ist, dass wir als Eltern diabetischer Kinder lernen loszulassen. Damit habe ich persönlich das größte Problem.

Ihre Diabetesmama

PS. Ich freue mich auch über Ihre Erfahrungsberichte!
Schicken Sie mir eine E-Mail an: diabetes-mama@mein-bdkj.de