Berichte - 40 Jahre

40 Jahre Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. und Deutsche Diabetiker-Verband e. V.

Wir haben es geschafft, unser Wissen und unsere Kräfte 40 Jahre lang in I h r e n Dienst zu stellen. Die Gründung eines Kinder und Jugendverbandes, mit dem Ziel eine Begegnungsstätte für betroffene Familien zu schaffen, war 1974 eine Ausnahme. Mit Recht dürfen wir behaupten, die ersten gewesen zu sein, die sich speziell für die Belange von betroffenen Kindern in besonderem Maße einsetzten. Erkenntnisse aus DAWN und DAWN2 lagen damals noch nicht auf dem Tisch und doch war den Gründern direkt klar, dass Eltern von betroffenen Kindern und die erkranken Kinder und Jugendliche selbst, andere Bedürfnisse hatten, als die bereits bestehende Organisationen abdecken konnten. Der Einbezug der ganzen Familie, der Fokus auf sowohl medizinische als auch psycho-soziale Faktoren, die auf emotionales Wohlbefinden abzielten, war und ist selbstverständlich. Es gab einige Errungenschaften wie z.B. das alleine durch Spenden finanzierte Reha-Zentrum in Kaiserslautern, das Zugestehen des Merkzeichens „h“ für betroffene Kinder durch die Versorgungsämter, Formulierungen für die Anerkennung der Schwerbehinderung, Verhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen, um den Kindern und Eltern die Reha-Maßnahmen finanziell zu ermöglichen (wenn auch der Tagessatz von damals DM126.—in den 40 Jahre nie um 1 Cent erhöht wurde), Mitbegründung der Europäischen Diabetes-Union, Mitbegründung der Deutschen Diabetes-Union, die durch den Austritt der Deutschen Diabetes-Gesellschaft leider die gemeinsame Arbeit vieler Jahrzehnte zu Nichte machte. Auch medizinisch gesehen gab und gibt es immer mehr „Erleichterungen“. Musste man 1969 das Spritzbesteck noch auskochen, Nadeln, dicker als solche zur venösen Blutentnahme heute, gibt es seit Jahren Spritzen und Pens mit ganz feinen Nadeln und die Insulinpumpe. Den Zuckergehalt konnte man nur mittels Urinzucker- Selbstuntersuchungen ermitteln. Vielleicht sind einigen von Ihnen die Clinitest Bestecke noch bekannt; bestehend aus einem Reagenzglas, einer Pipette und einer Tablette, die sich verfärbte, nachdem sie in dem Urin-Wassergemisch eine chemische Reaktion auslöste. Anhand der beiliegenden Farbskala wurde daraufhin der Urinzucker bestimmt.

In den späteren Jahren, nachdem jeder Patient (Typ1) ein Blutzuckermessgerät bekam, gewann man den Blutstropfen für die BZ-Messungen durch die Benutzung von Lanzetten, die richtige Risse in der Fingerbeere verursachten. Dagegen sind die heutigen Utensilien viel benutzerfreundlicher und schmerzärmer. Eine weitere tolle Sache ist die Unterstützung von Herzenssache e.V., die verschiedene Schulungsaktionen unterstützt und auch für neue Fenster und eine neue Heizungsanlage im Reha-Zentrum gesorgt hat. Dennoch gibt es auch heute noch vieles zu tun; ein Verband lebt nur durch die aktive Hilfe der Betroffenen und ich möchte S i e ermuntern, sich ehrenamtlich für einen der Verbände zu engagieren. Nur gemeinsam sind wir stark und wenn wir etwas erreichen wollen, brauchen wir Ihre Hilfe.

Das 40-jährige Jubiläum möchten wir mit I h n e n feiern und daher sind S i e alle herzlich eingeladen dieses wunderbare Ereignis mit uns gemeinsam im Rahmen des angebotenen Sommerseminars am 16. August 2014 zu feiern, das ganz unter dem Schlagwort „Zeitreise“ stehen wird. Einige Kurzvorträge von Diabetologen (über Typ1 und Typ2 Diabetes) und Selbstbetroffenen, eine Industrieausstellung und ein Rahmenprogramm „unserer“ Kinder sollen den Tag zu etwas ganz Besonderem machen. Seien Sie dabei und feiern mit uns das 40-jährige Jubiläum beider Verbände im

Diabetes-Zentrum Kaiserslautern
Beginn: 13:00h

Ich werde oft nach der Entstehungsgeschichte gefragt und ich darf Sie nunmehr auf eine ausführliche Zeitreise zu den Anfängen einladen. Die detaillierten Ereignisse sind niedergeschrieben und in dieser Form von mir wiedergegeben.


Gründung

Der damalige Vorsitzende des Deutschen Diabetiker-Bundes empfahl 1974 die Gründung eines speziellen Kinder- und Jugendverbandes, der die Organisation von Schulungsmaßnahmen für Kinder mit Diabetes übernehmen sollte. Der Bund diabetischer Kinder, wie er damals noch hieß, wurde daraufhin am 18. Mai 1974 auf einer außerordentlichen Bundesversammlung des Deutschen Diabetiker Bundes in Kaiserslautern gegründet. Der Mitgliederverband übernahm den Folgejahren die gesamte Jugendarbeit des DDB einschließlich der Organisation von Ferienkuren für betroffene Kinder, die noch heute in Kaiserslautern statt finden.


Zur Geschichte

Der damalige DDB Vorsitzende und Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland Dr. Heinz Bürger-Büsing wurde in der außerordentlichen Bundesversammlung zum Präsidenten des Bundes diabetischer Kinder e.V. gewählt. Durch diese Personalunion war eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen gewährleistet.

Kurt Hörhager, damals ebenfalls im Vorstand des DDB, übernahm das Amt des Bundes diabetischer Kinder, welches er im Oktober 1976 wegen Arbeitsüberlastung nieder legte. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Gerhards, der im Diabetes Journal 2/77 erstmals als Vizepräsident des BdJ erscheint. Im Januar 1978 wurde Kurt Hörhager, Vizepräsident des DDB Bundesverbandes und DDB Landesvorsitzender in NRW zum Ehrenpräsidenten des BdK ernannt. Prof. Dr. E. Janssen, der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates, übernahm die ärztliche Gesamtleitung der Ferienkuren für Kinder mit Diabetes. Als Vertreter des BDK erweiterte er auf der ordentlichen Bundesversammlung des DDB am 10.09.1976 die „3-Säulen Therapie“ des Diabetes um eine 4. Säule, in dem er der medikamentösen und diätetischen Behandlung und der Bewegungstherapie auch die intensive Schulung des betroffenen Kindes hinzufügte. Anfang 1979 wurde Prof. E. Janssen für weitere 4 Jahre zum Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates des BdK gewählt. In seiner dritten Mitteilung 1981 im Diabetes-Journal 10/81 erscheint der Verein erstmals unter dem erweiterten Namen „Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V.“ (BdKJ) mit Prof. Dr. Hürter als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates.

Am 27.10.1979 fand im Schulungszentrum in Kaiserslautern die Bundesversammlung des BdKJ statt, in der Frau E. Penther als Schatzmeisterin sowie H. Böckel und Ludwig Müller als Verwaltungsratsmitglieder gewählt wurden.


Vereinbarungen zwischen BDKJ und DDB

In dem Artikel über die Gründung des Bundes diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. wurde folgende Regelung zur Mitgliedschaft bekannt gegeben:

„Soweit diabetische Kinder bereits Mitglied im Deutschen Diabetiker Bund sind, können Eltern eine Mitgliedschaft im BdK beantragen. Sie werden dann nach dorthin überwiesen, ohne die Mitgliedschaft im DDB zu verlieren. Die Beiträge werden lediglich an den BdKJ abgeführt, während sie beim Deutschen Diabetiker Bund beitragsfrei geführt werden.“ Der monatliche Mindestbeitrag umfasste seinerzeit DM 2,--

In den Diabetes Journalen fanden sich Beitrittserklärungen für betroffene Familien, die Vorstellung des Verbandes wurde mit Spendenaufrufen gekoppelt.

In jedem Bericht über die Ferienkuren, die 1975 noch in Eppenbrunn und Neunkirchen/Saar statt fanden wurden alle Firmen namentlich aufgeführt, die mit einer Sachspende unterstützen. Der Bund diabetischer Kinder, mit Dr. Heinz Bürger—Büsing an dessen Spitze, entfaltete eine rege Tätigkeit bezüglich der Beschaffung von Spendengeldern. Das Schulungszentrum in Kaiserslautern konnte durch viele Spenden finanziert werden und am 06.06.1979 schuldenfrei seinen Betrieb aufnehmen. Am 27.10.1979 beschloss die Bundesversammlung des BdK jedes Jahr einen Forschungspreis in Höhe von DM 5 000,-- zu vergeben.


Ferienkuren

Nachdem der Deutsche Diabetiker-Bund in den Jahren 1971 – 1973 keine Kinder—Ferienmaßnahmen durchführen konnte, begann 1974 nach Auflösung des Diabetiker-Sozialwerks, der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V. mit seiner Freizeit für 70 betroffene Kinder die Fortführung der Ferienmaßnahmen in Oberurff. Im darauf folgenden Jahr 1975, führte der BdK erstmals zwei Ferienkuren in Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und dem Deutschen Diabetiker-Bund durch. Je 60 Kinder konnten 3 Wochen in Eppenbrunn bei Pirmasens oder im Robinsondorf in Neunkirchen/Saar verbringen. Für diese Maßnahme suchte der DDB mit einer Anzeige im Diabetes-Journal geeignetes Personal. Die gesamte Finanzierung dieser Schulungsmaßnahme wurde vom BdKJ abgewickelt.
In den Ferienlagern des DDV und des DDSW war die Schulung eher ein Nebeneffekt, der sich aus dem Kontakt der Kinder untereinander und dem medizinischen Personal zwanglos ergab. Bei den Ferienmaßnahmen des BdK traten die Diabetes Neueinstellung/Stoffwechselkorrekturen und die Schulung der Kinder stärker in den Vordergrund. Von 1976 bis 1978 organisierte der Bund diabetischer Kinder zwei 3-wöchige Kuren für jeweils 60 Kinder mit Diabetes im Alter von 6 – 16 Jahren in Eppenbrunn, an denen Kinder aus allen Bundesländern teilnehmen konnten. Die pädagogische Führung lag in den Händen von Rosel Bürger-Büsing und Diplom Psychologe B. Regling. Ab 1979 wurden diese Schulungs- und Erholungsmaßnahmen in Kaiserslautern durchgeführt.


Schulungszentrum für Kinder mit Diabetes in Kaiserslautern

Im Diabetes-Journal 8-75 wird erstmals die Absicht des BdK erwähnt, im Landkreis Kaiserslautern ein eigenes Zentrum zu bauen.

„Der Bund diabetischer Kinder bemüht sich in Verbindung mit dem Deutschen Diabetiker-Bund in Kaiserslautern ein Feriendorf zu erstellen, um mehr Erholungs- suchende Kinder aufnehmen zu können.“ Über die Entwicklung der Feriendorfes und besonders über seine Finanzierung wird in der Vereinszeitung häufig berichtet.

Am 15. Mai 1979 wurde dem Bund diabetischer Kinder von der Stadt Kaiserslautern das 1,5 ha große Grundstück für die Schaffung des Kinderdorfes zur Verfügung gestellt., welches später vom BdK gekauft wurde.

Am 11. September 1977 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Der Bund diabetischer Kinder wollte den Bau erst dann beginnen, wenn die gesamte Bausumme zur Verfügung stände, um keine Schulden machen zu müssen. Dem Vorsitzenden, Dr. H. Bürger-Büsing gelang es, viele Behörden, Firmen, Vereine, private Geldgeber für Spenden zu motivieren.. Die vielfältigen Spendenaktionen wurden oft mit Angabe der Spender in vielen Artikeln des BdK dankend erwähnt.
Eine Gedenktafel mit den Namen der Großspender wurden auf der feierlichen Einweihung des Zentrums am 06.06.1979 enthüllt. Am 30.06.1979 begannen die ersten drei 3-wöchigen Ferienkuren für 180 betroffene Kinder in Kaiserslautern. Bereits 1 Jahr später wurden im Schulungszentrum nicht nur betroffene Kinder sondern 22 Familien geschult und betreut.


Schulungsangebote

Der Bund diabetischer Kinder führte nicht nur alljährliche Ferienkuren für Kinder mit Diabetes durch, sondern organisierte auch bundesweit Schulungsveranstaltungen die betroffene Familien. Bürger-Büsing, selbst Vater einer an Diabetes erkrankten Tochter, referierte über soziale Gesichtspunkte des kindlichen Diabetes und erläuterte den Eltern die Teile des Schwerbehindertengesetzes, die sich auf die Versorgung zuckerkranker Kinder bezogen. Die Hauptthemen waren jeweils von den einzelnen einladenden Kliniken abhängig. Ab 1978 wurde auf den Schulungen der Tonfilm über die Schulungsmaßnahmen des BdK gezeigt. Einige Gesprächskreise wurden mit dem DDB zusammen durchgeführt.

Der Wissenschaftliche Beirat des BdK führte am 10.04.1976 in Kaiserslautern ein Stoffwechsel-Symposium durch, zu dem Ärzte, Pädagogen und Eltern diabetischer Kinder eingeladen wurden.

„Am 11. und 12.09. 1976 fand….in Kaiserslautern mit Unterstützung der Landeszentrale für Gesundheitserziehung, Mainz, und dem Bund diabetischer Kinder eine große Gesundheitsaufklärung statt… Auf Initiative des BdK fand in Kaiserslautern ein Seminar für Pädagogen unter dem Motto: Diabetes mellitus im Schulalter“ statt.“


Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetiker-Bund

Über einen langen Zeitraum bestand eine enge Bindung zwischen dem Bund diabetischer Kinder und dem Deutschen Diabetiker-Bund, die durch die Werbung für den Eintritt diabetischer Kinder, Jugendlicher und deren Eltern im Bund diabetischer Kinder seitens des DDB z.B. durch den Bezirksvorsitzenden K. Kröger bei der Eröffnung einer DDB- Betereuungsstation in Büren, deutlich wird. In einem Bericht über die Aufgaben des Deutschen Diabetiker-Bundes im „Diabetes-Journal 9/78“ wird diabetischen Kindern und Jugendlichen empfohlen, dem Bund diabetischer Kinder beizutreten.

Des Weiteren wird mehrfach über die Zusammenarbeit bei der Durchführung von Schulungen berichtet und die Tätigkeit des BdK öffentlich vom DDB anerkannt.:

„Der DDB Landesverband Nordrhein-Westfalen würdigte die großen Leistungen von Prof. Dr. med. E. Janssen und Rosel Bürger-Büsing anlässlich der durchgeführten Kuren für diabetische Kinder in den großen Ferien 1976.“

Weiter wurde der BdK beim Bau seines Schulungs- und Erholungszentrums in Kaiserslautern durch die DDB Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Berlin, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hessen finanziell unterstützt. Diese Unterstützung wird in einem Bericht über die Grundsteinlegung ebenfalls erwähnt. Der Ehrenpräsident des DDB, F. Krüger, setzt sich ebenfalls für das Schulungszentrum ein.

„ Erfreulich ist…. Dass die Deutsche Diabetes-Gesellschaft und der Deutsche Diabetiker Bund deses Vorhaben ebenfalls nach Kräften unterstützen. Auch der weltweit anerkannte Diabetologe, Prof. Dr. med. H. Mehnert hat sich für die Errichtung solch eines Schulungs-und Erholungsheims ausgesprochen“

Im Sommer 1080 legte Bürger-Büsing wegen Arbeitsüberlastung sein Amt als Vorsitzender des Deutschen Diabetiker-Bundes nieder. Am 31. 12.1980 trat der Bund diabetischer Kinder („wegen Vorenthaltung des Stimmrechts auf der Bundesversammlung“) aus dem Deutschen Diabetiker-Bund aus.

Dieser Austritt wird im Diabetes-Journal nicht erwähnt. Allerdings erklärt der Bundesvorstand des DDB in der Februarausgabe seine Absicht, die Jugendarbeit zu verstärken und „wieder selbst Ferienmaßnahmen für diabetische Kinder und Jugendliche…..durchzuführen.“ Mit seinem Austritt aus dem DDB war der Bund diabetischer Kinder nicht mehr ein bundesweit aktiver Verein des DDB, der einen speziellen Tätigkeitsbereich des DDB durchführte. Im BdK Teil des Diabetes-Journal vom März 1981 erfolgt unter der Überschrift „In eigener Sache“ die Klarstellung, dass Bürger-Büsing weiter als Vorsitzender des Bundes diabetischer Kinder und des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland tätig sei und nur von seinem Amt als Vorsitzender des Deutschen Diabetiker-Bundes, Dachverband. Vorzeitig zurückgetreten sei. Ein Artikel im Diabetes-Journal, S. 306, Heft 7/8 1980 hätte zu der Meinung geführt, dass der Präsident des BdK seine Amtsgeschäfte abgegeben hätte.

Die erweiterte Benennung des Vereins „Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher“ erscheint erstmals in der Dezember-Ausgabe des Diabetes-Journals, in der 3. Mitteilung des BdK(J) 1981 Ab 1982 entfällt der BdKJ-Teil im Diabetes-Journal. An dessen Stelle will die Chefredaktion des Diabetes-Journals unter dem Titel „Hallo Jugenddiabetiker“ alle 3-4 Monate einen Schwerpunkt für Jugendliche herausbringen und erweitert den Bundesvorstand um einen Jugendreferenten / eine Jugendreferentin.

„Der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher ist seit dem 01.06.1982 so genanntes assoziiertes Mitglied geworden und der Diabetiker Verband, der ehemalige DDB Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland, ist Vollmitglied im DDB Dachverband geworden.“

Mit der erstmaligen gemeinsamen Durchführung des Deutschen Diabetiker Tages am 24.05. 1990 in Düsseldorf, zusammen mit der Deutschen Diabetes-Gesellschaft wurde ein deutliches Zeichen der Verständigung zwischen den beiden Selbsthilfeverbänden gesetzt.


Zusammenarbeit mit anderen Verbänden

Enge Verbindungen hatte der deutsche Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher mit dem Verein gleichen Namens in Österreich. Z.B. referierte Dr. Jastram über die Schulungsmaßnahmen des BdK am 24. September 1977 beim ersten Gesprächskreis „Eltern diabetischer Kinder“ in Graz, Bürger—Büsing riet den Eltern zu der Gründung eines Bundes diabetischer Kinder in Österreich. „Am 15. November 1977 wurde in der Universitäts-Kinderklinik Graz auf Anregung des Präsidenten des BdK Deutschland, Heinz Bürger—Büsing, der „BdK-Österreich“ gegründet. Bürger-Büsing wurde zum korrespondierenden Vorstandsmitglied ernannt. Der österreichische Verband unterstützte das Zentrum in Kaiserslautern Auf dem 4. Gesprächskreis Eltern diabetischer Kinder in Graz führte Bürger—Büsing den BdK-Film vor, worauf er am 30.06.1981 wegen seines Einsatzes für den Aufbau des Rehabilitationszentrum zum Ehrenmitglied des Österreichischen Diabetikerverbandes ernannt wurde.

In dieser Zeit wartete auch eine französische Selbsthilfegruppe mit dem Vorschlag auf; dass sich alle europäischen Laienverbände zu einem Gespräch im Straßburger Parlament treffen sollten. Bei diesem Treffen hatten die einzelnen Verbände Gelegenheit, kurz über ihre Arbeit zu berichten, was dazu führte, dass die meisten Verbände den Zusammenschluss eines europäischen Verbandes befürworteten.

Durch dieses Treffen ist die Arbeit des deutschen Kinderbundes im europäischen Ausland bekannt geworden und führte dazu, dass auch Kinder aus Rumänien, Belgien, Frankreich und Weißrussland in Kaiserslautern betreut wurden. Z.B. erhielten 15 Kinder aus dem Bereich Tschernobyl eine 3-wöchige Reha-Maßnahme in Kaiserslautern Da weder eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle noch Gabe von Insulin in dieser Zeit in Weißrussland gesichert war (man weiß nicht, wie es heute aussieht) hatten die Kinder alle einen sehr hohen Blutzucker (meist um die 500 mg/dl). Oberstes Ziel war, gemeinsam mit der angereisten Ärztin und Dolmetscherin, den Blutzucker zu senken und den Stoffwechsel nur annähernd normoglykämisch einzustellen.

Aus Polen wurde ebenfalls über einen Bischof in Oberschlesien um Hilfe gebeten. Sein Anliegen war es, Eltern diabetischer Kinder zu schulen, ähnlich wie wir es in unserem Zentrum praktizierten. Die Schulung sollte in Kattowitz stattfinden. Der Vorstand des BdKJ stimmte sofort zu, und entsandte den in Schulungsorganisation erfahrenen Dr. Bürger-Büsing sowie den Diplom-Psychologen Dr. H. Jatzko (Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates). An dem Seminar nahmen ca. 200 Mütter und Väter erfolgreich mit ihren Kindern teil.

̃̃̃̃̃̃Auch in Thorn fand ein Eltern- Schulungsseminar statt mit mehr als 250 Teilnehmern.

Weitere enge Kontakte gab es mit Ärzten/Diabetologen in Rumänien, geknüpft mit der Absicht, dort Vorträge über des kindlichen Diabetes vor Ärzten und Laien zu halten. Dort wurde Heinz Bürger-Büsing in einer Feierstunde besonders geehrt und er erhielt ein Diplom als Ehrenmitglied der wissenschaftlich-medizinischen Ärzteorganisation.

Die Arbeit des Kinderbundes erstreckte sich auch bis nach Afrika, so war Bürger-Büsing zwei Mal in Nairobi, weiter in Tunesien und im Tschad. Die französisch geführte Universität im Tschad verlieh ihm die Doktorwürde für sein großes Engagement dort.

Auch in Österreich war r hilfreich tätig, indem mit seiner Unterstützung und Erfahrung dort ein Bund für diabetische Kinder gegründet wurde. Aufgrund seines großen wirkens wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft des Österreichischen Diabetikerbundes angetragen.


Die Gründung einer Stiftung

Der Gedanke eine Stiftung für Forschungen im Bereich des Typ 1 Diabetes zu gründen, folgte bald danach. Durch den Gehaltsverzicht des Präsidenten und dem unermüdlichen Bestreben andere Finanzquellen zu sichern und zu finden So konnte 1989 die Stiftung ins Leben gerufen werden, da durch die Anhäufung des Gehaltes und Spenden ein Betrag in Höhe von 1 Million (!!) DM zustande kam.

Es wurde ein Vorstand und ein Kuratorium bestehend aus Medizinern und anderen Persönlichkeiten gegründet, die damals den Namen „Deutsche Stiftung zur Erforschung und Behandlung des Diabetes mellitus“ hieß. Da die Familie Bürger-Büsing fast ½ Million DM der Stiftung zur Verfügung gestellt hat, wurde diese später mit Genehmigung der Stiftungsbehörde in „Dr. Dr. med. h.v. Heinz Bürger-Büsing – Stiftung zur Erforschung und Behandlung des Diabetes mellitus“ umbenannt. Die 2. Doktorwürde wurde dem Präsidenten von der Universität Homburg für seine außerordentlichen Verdienste auf dem Gebiet der Diabetologie im Juni 1996 verliehen. Bis 1997 konnten durch die Stiftung über 20 Projekte finanziert werden.

Das Ziel war damals wie heute, Lebensbedingungen von Menschen mit Diabetes zu optimieren und die Forschung zu unterstützen. Seit der Gründung stehen die Verbesserung der Prävention bzw. Behandlung diabetischer Folgeschäden, die Unterstützung von Seminaren für Kinder und Jugendliche mit Diabetes bzw. derer Familien und die Verbesserung der Versorgung von Patienten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kliniken im Vordergrund. Dank seines unermüdlichen Engagements und Dank der Spender konnte Heinz Bürger-Büsing im Jahre 1994 erstmals den seither jährlich ausstehenden Stiftungspreis für mehrjährige, richtungweisende Arbeiten auf den Gebieten der experimentellen oder klinischen Diabetesforschung, schwerpunktmäßig zur Erforschung des Diabetes im Kindesalter, der Verhinderung des Spätsyndroms, des Gestationsdiabetes sowie für Untersuchungen zum Thema Diabetes und Schwangerschaft verleihen. Auch Forschungsarbeiten, die eine Verbesserung der Lebensqualität in Aussicht stellten, standen im Fokus von Heinz Bürger-Büsing und seinem aus Medizinern und anderen im Bereich Diabetes tätigen Persönlichkeiten bestehenden Kuratorium. Implantierbarer Glucosesensor, die Unterstützung eines Diabetes-Wund- und Amputationsregisters, ein interdisziplinäres Projekt zur Therapie des diabetischen Fußsyndroms, die Prävention des Typ-1-Diabetes,der Einsatz einer EDV-gestützten kontinuierlichen Qualitätskontrolle bei der Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes und die Erfassung der Neuerblindung bei Diabetikern sind nur einige der ersten Projekte, die zur damaligen Zeit Unterstützung fanden und bis heute zu neuen Erkenntnissen und Verbesserung der Diabetesbehandlung führten. Bereits vor seinem Tod sprach der Stifter den Wunsch aus, dass seine jüngste Tochter, die selbst Diabetikerin ist, die Stiftung nach seinem Ableben übernehmen solle. Im Sinne ihres Vaters führt Tamara Bacon Lara die Arbeit fort. Weiterhin setzt sich die Stiftung für Menschen mit Diabetes ein und unterstützt die Forschung auf diesem Gebiet. Sowohl medizinische als auch psychologische Projekte für Kinder können jährlich- nicht zuletzt wegen der eingehenden Spenden – finanziert werden.

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